So lernst du damit richtig
Lernlotte nimmt dir die Frage ab, was du wann wiederholen sollst. Alles andere bleibt bei dir. Dieses Kapitel ist der praktische Teil: was sich bewährt, was schiefgeht und wie du auf einen Termin hinlernst.
Jeden Tag ein bisschen
Das ist die eine Regel, aus der alles andere folgt.
Ein Karteikasten mit Terminen funktioniert nur, wenn jemand die Termine einhält. Lernst du täglich 15 Minuten, hast du fast nie einen Rückstand und die Abstände wachsen sauber. Lässt du eine Woche liegen, stehen am achten Tag alle sieben Tagesportionen gleichzeitig vor dir — und das fühlt sich nach Strafe an.
Bei 15 neuen Karten am Tag pendelt sich dein Pensum nach ein paar Wochen bei ungefähr 50 bis 70 Karten ein. Das sind 10 bis 20 Minuten.
Such dir eine feste Kopplung statt einer festen Uhrzeit: nach dem ersten Kaffee, in der Bahn, direkt nach dem Zähneputzen. „Immer nach X" hält deutlich besser als „irgendwann heute noch".
Ein kurzer Tag ist besser als ein ausgefallener. Wenn du nur fünf Minuten hast, mach die fünf Minuten. Du arbeitest dann die am längsten überfälligen Karten ab — genau die, die es am nötigsten haben.
Ehrlich bewerten
Bei Aufdeckkarten bist du die einzige Messstelle. Die Regel noch einmal:
👍 nur, wenn du die Antwort vor dem Aufdecken im Kopf hattest.
Der typische Selbstbetrug klingt so: „Ach ja, klar." Das ist Wiedererkennen, nicht Wissen — in der Prüfung steht die Antwort aber nicht daneben. Drück 👎 und freu dich, dass du es jetzt gemerkt hast und nicht dort.
Eine Trefferquote um 85 bis 90 Prozent (siehe Statistik) ist ein gutes Zeichen. Wer dauerhaft über 95 liegt, bewertet sich meist zu milde.
Wenn du im Rückstand bist
Du warst zwei Wochen im Urlaub und jetzt stehen 340 fällige Karten an. Kein Drama, aber mach nicht das Falsche.
Was du tun solltest:
- Setz das Tageslimit für neue Karten auf 0 — in der Statistik. Solange du einen Berg abbaust, kommt oben nichts nach.
- Arbeite den Stapel in normalen Portionen ab, über mehrere Tage. Lernlotte gibt dir automatisch immer die am längsten überfällige Karte zuerst.
- Erwarte, dass viel davon danebengeht. Das ist normal und kein Rückschritt — vergessene Karten wandern in kurze Abstände und sind in ein paar Tagen wieder da, wo sie waren.
- Wenn die Zahl „Heute fällig" wieder klein ist, dreh das Limit zurück auf deinen normalen Wert.
Was du nicht tun solltest: den Lernstand zurücksetzen. Ein Rückstand ist kein Schaden am Lernstand — er löst sich in wenigen Tagen von selbst auf. Zurücksetzen wirft dagegen die Arbeit von Wochen weg.
Auf einen Prüfungstermin hinlernen
Hier die Rechnung, die die meisten zu spät machen.
Damit eine Frage am Prüfungstag sitzt, muss sie vorher mehrfach wiederholt worden sein. Nach den tatsächlichen Abständen von Lernlotte braucht eine Karte grob drei Wochen von „zum ersten Mal gesehen" bis „läuft im Monatsrhythmus". Karten, die du in der letzten Woche vor der Prüfung neu anfängst, sind am Prüfungstag bestenfalls angelernt.
Also: Rechne rückwärts.
Ein Katalog mit 300 Fragen, Prüfung in 60 Tagen. Du brauchst mindestens rund 20 Tage Puffer am Ende, in denen nichts Neues dazukommt. Bleiben 40 Tage zum Neulernen: 300 ÷ 40 ≈ 8 neue Karten pro Tag. Mit dem Standard von 15 bist du sogar früher durch.
Ein Katalog mit 900 Fragen, Prüfung in 60 Tagen: 900 ÷ 40 ≈ 23 pro Tag — und dein tägliches Pensum landet dann bei gut anderthalb bis zwei Stunden. Das ist die ehrliche Zahl. Wenn dir die zu hoch ist, ist der Termin zu knapp, nicht das Programm zu langsam.
Ein Ablauf, der sich bewährt hat:
| Phase | Was du tust |
|---|---|
| Erste zwei Drittel | Neue Karten nach der Rechnung oben, Wiederholungen täglich. Einmal pro Woche eine Prüfungssimulation als Standortbestimmung. |
| Letzte drei Wochen | Tageslimit auf 0. Nur noch Wiederholungen — die Abstände werden jetzt lang, das Pensum sinkt spürbar. |
| Letzte Woche | Zwei bis drei Simulationen unter echten Bedingungen: Uhr an, nichts nachschlagen, in einem Rutsch. Die Liste „Falsch oder nicht beantwortet" gezielt nacharbeiten. |
| Letzter Tag | Wiederholungen abarbeiten, sonst nichts. Kein Stoff mehr neu anfangen, früh schlafen. |
Der klassische Fehler ist, in der letzten Woche das Tageslimit hochzureißen, um „noch alles zu schaffen". Was du in dieser Woche zum ersten Mal siehst, ist am Prüfungstag nicht gelernt — es kostet dich nur die Zeit, die den bereits gelernten Karten fehlt.
Wann du das Limit anfassen solltest
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Du fängst gerade an | Lass die 15 stehen. Nach zwei Wochen weißt du, ob es passt. |
| Du bist täglich in unter 10 Minuten fertig und langweilst dich | Rauf auf 20 oder 25 — aber nur in Schritten und dann zwei Wochen beobachten. |
| Das tägliche Pensum wächst dir über den Kopf | Runter auf 5 bis 10. Lieber langsam und dauerhaft als schnell und abgebrochen. |
| Rückstand, Urlaub, Krankheit | Auf 0, bis „Heute fällig" wieder klein ist. |
| Letzte Wochen vor der Prüfung | Auf 0. |
| Zwei Kataloge parallel | Bedenke, dass sich die Limits addieren. |
Merksatz: Jede neue Karte ist ein Versprechen auf künftige Wiederholungen. Was du heute hochdrehst, bezahlst du ab übermorgen — und zwar wochenlang.
Der Kapitelfilter
Über das Dropdown Kapitel auf der Startseite lernst du gezielt ein einzelnes Kapitel. Das ist gut, wenn dich ein Thema hartnäckig ärgert oder ein Kurs gerade dort steht.
Für den Alltag ist es die schlechtere Wahl. Wenn du gemischt lernst, musst du bei jeder Frage erst herausfinden, worum es überhaupt geht — und genau diese Zusatzarbeit macht das Wissen belastbar. Wer kapitelweise lernt, kennt oft die Antwort, ohne die Frage gelesen zu haben. In der Prüfung kommt aber alles durcheinander.
Und noch einmal, weil es gern für Verwirrung sorgt: Das Tageslimit für neue Karten gilt pro Katalog, nicht pro Kapitel. Kapitel für Kapitel durchzugehen bringt dir also keine zusätzlichen neuen Karten.
Fünf Dinge, die wirklich helfen
- Sprich die Antwort aus, wenigstens gemurmelt. Der Unterschied zwischen „ich denk es mir" und „ich sag es" ist überraschend groß.
- Nimm die Erklärbox ernst. Wenn unter einer Frage eine blaue Bemerkung oder eine Quelle steht, lies sie — besonders nach einem Fehler.
- Bei Multiple Choice erst denken, dann lesen. Versuch die Antwort zu formulieren, bevor du die Optionen durchgehst. Sonst trainierst du nur Wiedererkennen.
- Verstehen schlägt Auswendiglernen. Eine Frage, die du dreimal hintereinander nicht kannst, ist meist keine Gedächtnisfrage, sondern eine Verständnisfrage. Schlag das Thema in deinen Unterlagen nach, statt es weiter durch den Kasten zu drehen.
- Hör auf, bevor es zäh wird. Die letzten fünf Minuten einer erschöpften Sitzung bringen weniger als fünf Minuten am nächsten Morgen.
Warum das alles so ist, steht in Warum das funktioniert.